Was empfinden wir als Lärm?

Was versteht man unter dem Begriff Lärm?

Diese Frage kann nicht eindeutig und abschliessend beantwortet werden. Die Definition von Lärm kann sowohl zwischen Personen sowie auch zwischen unterschiedlichen Situationen variieren.

Eine prägnante, offene Definition von Lärm lautet: "Lärm ist störender Schall". Bei der persönlichen Empfindung von Lärm spielt es eine Rolle, ob wir gerade konzentriert arbeiten möchten, ein Open-Air-Konzert besuchen oder mit dem Auto unterwegs sind. Lärm ist also von der Situation, der Tätigkeit und von den persönlichen Vorlieben abhängig.

Lärm muss nicht immer laut sein und Lautes muss auch nicht immer Lärm bedeuten. Ein tropfender Wasserhahn treibt viele Personen zur Verzweiflung, Meeresrauschen hingegen wirkt auf die meisten von uns entspannend und beruhigend. Nur ein Drittel der Wirkungen, die Lärm auf unseren Körper hat, hängt von der Lautstärke selbst ab. Viel entscheidender für die Beurteilung von Lärm ist, bei wem, wie lange und in welcher Situation dieser auftritt.

Lärm ist Ansichtssache

Schall wird von Mensch zu Mensch verschieden wahrgenommen. Was dem einen das Herz in der Brust höherschlagen lässt, ist für den anderen Lärm. Lärm ist deshalb Ansichtssache.

Die persönliche Einstellung zu einem Geräusch beeinflusst, wie belastend es empfunden wird. Die WHO beschreibt, dass die Wahrnehmung eines Geräusches, seine Bedeutung für die betroffene Person und das Gefühl, Kontrolle über die Situation zu haben, die Stressreaktion auf das Geräusch beeinflussen kann. Eine positive Einstellung zum Geräusch kann die Stressreaktion und ihre gesundheitlichen Folgen beeinflussen, sie ist jedoch kein Nachweis dafür, dass das Geräusch keine gesundheitlichen Wirkungen zeigt.

Gewöhnung an Lärm und gesundheitliche Auswirkungen

Niemand bleibt von Lärm völlig unberührt. Der menschliche Körper kann sich nicht wirklich an Lärm gewöhnen. Lärm führt zu einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen und kann nachts Aufwachreaktionen auslösen. Beides belastet das Herz-Kreislauf-System. Besonders problematisch ist dabei, dass wichtige Schlafphasen gestört werden können, die für die Erholung des Körpers notwendig sind. Aktuelle Gesundheitsstudien zeigen, dass dies erhebliche Auswirkungen haben kann. Gleichzeitig sind vor allem junge Menschen besser in der Lage, Lärm auszublenden oder kurzfristig zu verkraften. Insgesamt zeigen die aktuellen Ergebnisse der Lärmwirkungsforschung aber, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Lärm auch dann auftreten, wenn man sich nicht durch Lärm beeinträchtigt fühlt.

Dichter, stockender Strassenverkehr in Mumbai: Autos, Motorrad-Rikschas, Motorräder und Busse stehen im Regen dicht an dicht.

Mumbai gilt als weltweit lauteste Stadt. Quelle: New York Times

Dazu kommt, dass Lärm auch wesentlich von der Einstellung der jeweiligen Person abhängt. Während einige Menschen ein schreiendes Kind als lärmend einstufen, empfinden andere das Kind als lebhaft. Mit einer veränderten Einstellung gegenüber der potentiellen Lärmquelle ändert sich auch die Beurteilung des tatsächlichen Lärms.

Während Lärm am Tag die Konzentration stört, kann nächtlicher Lärm unbewusst dem tiefen und gesunden Schlaf im Weg stehen. Der menschliche Körper ist also zwar in der Lage, sich an das Geräusch eines Lastwagens zu gewöhnen und dieses als ungefährlich einzustufen. Trotzdem werden Botenstoffe ausgeschüttet und der Körper befindet sich unbewusst auf Alarmbereitschaft.