Lärm und Tiere
Beim Thema Lärm beziehen sich das Umweltschutzgesetz und die Lärmschutzverordnung hauptsächlich auf den Menschen. Daraus darf allerdings nicht geschlossen werden, dass Tiere durch Lärm ungestört bleiben!
Die Wirkung von Lärm auf Tiere lässt sich jedoch nur sehr schwer einschätzen und kaum verallgemeinern. Einen Überblick über die unterschiedlichen Reaktionen und über die Komplexität des Themas geben aktuelle Studien und Meta-Analysen, die z. B. den Einfluss von menschengemachtem Lärm auf Wildtiere bzw. Vögel untersuchen. Zudem gibt es eine Studie aus 2025, die die Geräuschempfindlichkeit von Hunden untersucht, sowie eine Studie aus 2024 zur Wirkung von Feuerwerkslärm auf Hunde und Katzen.
Dass Tiere nicht nur von Lärm gestört werden, sondern selbst auch mächtig Lärm produzieren können, zeigt z. B. der Pistolenkrebs. Mit unglaublichen 250 dB ist er das lauteste Tier. Gerade wegen seiner mickrig kleinen Grösse von 5 cm ist der laute Knall, den seine Scheren produzieren, umso erstaunlicher.
Neben dem Pistolenkrebs gibt es weitere Lauthalse in unserer Tierwelt. Brüllaffen, die ihr Revier mit 90 - 100 dB verteidigen oder andere vor Gefahren warnen, gehören sicherlich dazu. Diese extrem lauten Geräusche können die Affen durch ihr einzigartig geformtes Zungenbein produzieren.
Tierschutzrecht und Lärm
In der Schweiz wird Lärm im Tierschutzrecht ausdrücklich geregelt. Besonders wichtig ist Artikel 12 der Tierschutzverordnung (TSchV). Er verbietet Tiere über längere Zeit übermässigem Lärm auszusetzen. Dabei wird nicht nur die Lautstärke berücksichtigt, sondern auch die Reaktion des Tieres und die Möglichkeit, sich der Lärmquelle zu entziehen.
Auswirkungen auf den Lebensraum
Für viele Tiere sind Geräusche wichtig. Die Tiere nutzen sie, um zu kommunizieren, um Nahrung zu finden oder um sich zu orientieren. Umgebungslärm kann ihre Wahrnehmung stören. Entlang von lauten Strassen beispielsweise leben weniger Vögel als an ruhigeren Orten. Vögel bauen auch seltener ihr Nest in der Nähe einer lauten Strasse. Auch Heuschrecken meiden laute Lebensräume und verschwinden aus Wiesen, die nahe an lauten Strassen liegen. Die Wirkung von Strassenlärm auf Tiere kann über mehrere Hundert Meter gemessen werden.

Begrenzte Anpassungsmöglichkeiten
Einige Tierarten können sich an Lärm anpassen. Manche Tiere ändern die Lautstärke ihres Rufes, passen die Frequenz an oder erhöhen die Rufrate.

So lassen sich hohe Biodiversitäten trotz lauter Umgebung erklären, z. B. auf dem Flughafen Kloten. Diese Anpassungen schaffen allerdings nicht alle Arten. Wenn die Tiere es nicht schaffen, sich an den Lärm anzupassen, sind sie nicht mehr in der Lage, akustische Informationen zu nutzen. Das führt dazu, dass diese Tierarten nicht mehr kommunizieren, keine Nahrung mehr finden und sich nicht mehr orientieren können. Die Tiere werden an diesem Ort aussterben.